|
Hommage. Zum Tod von Robert Rauschenberg Die Verwendung von "Fundstücken"
Oder auch anders gesagt, mit seiner spezifischen Kunstarbeitstechnik führte er in den 60er-70er Jahren den Begriff bildende Kunst und Performance so zusammen, das er einerseits neue Wege erschloss, und uns erneut vor Augen führte was vielleicht die in Vergessenheit geratenen Dadaisten lange zuvor beschritten hatten.
Bereits Mitte vergangenes Jahr ist Robert Rauschenberg im Alter von 82 Jahren in seinem Atelier auf Floridas Pelikan Insel, Captiva Island gestorben. Robert Rauschenberg, der als Born Milton geboren wurde, zum Robert erst als 20-jähriger wechselte und dafür bekannt war, stets zur gleichen Zeit an so sehr völlig unterschiedlichen Kunstobjekten ganz verschie- dener Art zugleich zu arbeiten, er war Maler und Bildhauer, Photograph, Bühnenbildner auch Choreograph, hat dem Verhältnis von Malerei und Skulptur neue Bedeutung verliehen, indem er Fundstücke und andere Materialien mit der für ihn typischen Erfindungsgabe zusammenfügte. Sein Schaffen war seit den frühen 1950er-Jahren geprägt von dem Willen, Kunst und Wirklichkeit miteinander zu verknüpfen, um so seine Werke zu einem Spiegel der Welt werden zu lassen. Vor allem seine "Combine Paintings", mit täglichen Gegenständen, auch Wegwerfartikeln zu sehenswerten Collagen zu verarbeiten fand schnell Bewunderer. Er mochte nie den Starrummel um ihn und wenn er es dennoch nicht immer vermeiden konnte, war er distanziert ging seiner Verpflichtung eben nach, erschien bescheiden und entgegnete seinem Gegenüber gerne zum schmunzeln so sympathische Sätze wie: "Ich bin kein Künstler, der Ideen hat" und er zwinkerte dabei lächelnd mit seinen lebendigen Augen, "Ich hasse Ideen, aber habe ich selbst mal eine, dann gehe ich solange spazieren bis ich sie wieder vergessen habe".
21 Jahre hatte Rauschenberg in New York gelebt. 1970 war er in den Süden Floridas umgezogen und dieser Wahlheimat bis zuletzt treu geblieben; gleichzeitig bereiste er weiterhin unterschiedlichste Länder und Gegenden. Auf allen Reisen suchte er den unmittelbaren Kontakt zu lokalen Handwerkern um mit neuen Materialien und Techniken zu experimentieren. Die zwischen 1970 und 1976 entstandenen Werkserien spiegeln seine Beschäftigung mit anderen Kulturen und seine persönlichen Eindrücke von Orten wie Venedig, Paris, Jerusalem oder dem indischen Ahmedabad. Rauschenberg zählte neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein zu den Bedeutendsten Vertretern der Popart.
Diese Serien werden derzeit als "Travelling 70-76" im Sinne seiner Beschäftigung mit Kulturen und Reisen, wurden bis September 2008, gefördert durch die Dr. Karl Wamsler Foundation, im Münchner Haus der Kunst gezeigt und waren zuvor in der Fundação de Serralves, Porto zu sehen. Dazu sollte man wissen, es werden unzählige, sehr zahlreiche vielgestaltete Objekte vorwiegend aus großen und kleinen vergilbten Pappkartons, manche mit Strandsand drumherum so verarbeitet als wären es riesengrosse, gewaltige steinschwere Kantenblöcke.., diese zahlreichen Ideen eben.., und solche vom grossen Rauschenberg! Sein Künstlerkollege Jasper Johns war es der ohne Neid von Rauschenberg sagte: "Er war der Künstler der in diesem Jahrhundert nach Pablo Picasso die zahlreichste Kunst erfunden hatte".
Zur Eröffnung dieser ersten Station der Ausstellung konnte Robert Rauschenberg noch anreisen. Ein anfangs zugesagtes Treffen in München musste der Vater der Pop-art bereits mehrere Schlaganfälle erleiden musste, und nun wegen einer Lungenentzündung absagen. Sein Wunsch friedlich in seinem Bett in seiner wunderschönen, gemeinsam mit Freundin Jennifer Benton bewohnte Atelier-Villa auf Captiva Island einzuschlafen wurde ihm erfüllt. Rauschenbergs Status als Ikone kann davon nie umgeworfen werden.
|