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Diese freundliche ältere Dame heißt Kitty Seitz. Sie neigt ihren Kopf zur Seite und lächelt ein wenig gelassen, sanft verführerisch direkt in die Kamera der Fotografin. Sich selbst positionieren, also in Szene setzen fällt ihr nicht schwer, immerhin ist sie schon 17 Jahre im Model-Business und sie weiß genau, worauf es dabei ankommt.
Doch nicht nur die Dauer ihrer Model-Tätigkeit macht sie zur seltenen Ausnahmeerscheinung in diesem Business: denn mit 87 Jahren ist die geborene Leipzigerin eines der wenigen Senioren-Models in Deutschland, das ungeachtet des Schönheits- und Jugendwahns, Aufträge aus der Werbebranche erhält. «Jeder, der mich bislang gebucht hat, war begeistert», sagt die attraktive Dunkelhaarige und lässt ihre stahlblauen klaren Augen dabei blitzen.
Frau Seitz startete ihre Karriere 1988 im Alter von 70 Jahren. Mit dem Anruf einer alten Freundin aus Düsseldorf fing alles an. «Du siehst gut aus, sagte sie damals zu mir, und Dior sucht ein Model für eine Faltencreme», erinnert sich Seitz an das Gespräch. Sie bekam den Zuschlag für den Auftrag und war fortan gut im Geschäft. «Die Angebote kamen dann praktisch von alleine.»
Frau Seitz machte Werbung für Mineralwasser, eine Lebensversicherung, eine Kaffeesorte, für Putzmittel, Tabletten gegen Sodbrennen, ein Omnibus- unternehmen und trat in Filmen auf. Auch der Verfasser eines Weinbuchs durchs Remstal in Baden-Württemberg kam an der Waiblingerin nicht vorbei.
Selbst im fernen Amerika, wo ihre mittlerweile 65 Jahre alte Tochter lebt, ist sie bekannt wie ein bunter Hund: Die neue Heimatstadt ihrer Tochter, El Paso in Texas, ernannte die Frau aus dem Rems-Murr-Kreis zur Ehrenbürgerin.
Doch ruht sich die Witwe nicht auf ihren Lorbeeren aus und tut viel für ihren Körper und ihr gutes Aussehen. «Ich mache jeden Morgen meine Gymnastikübungen. Ich pflege meine Haare und meine Fingernägel.» Natürlich gehören auch Trockenbürsten und Peelings dazu. Ungeschminkt geht sie nie aus dem Haus.
Lediglich In ihrem Garten legt sie sich in den Sommermonaten auch ohne Make-up in die Sonne. «Hier habe ich den lieben Gott vor mir», sagt sie. In den kälteren Monaten verlagert sie ihre Genuss- und Pflegestunden in das Bad: Bei schönem Licht, guter Musik «und einem Glas Pikkolo» legt sie sich in die Badewanne und entspannt.
Doch wer Frau Seitz zu einem klassischen Modepüppchen abstempeln will, liegt falsch. Trotz Moschino-Gürtel, Designerhose, Tigerbluse und Stöckelschuhen weiß sie auch mit Hammer und Nagel umzugehen. Bei der Gestaltung eines Kellerraumes für Festivitäten hat sie auch zum Schlagbohrer gegriffen. «Ich bin ein positiver Mensch und feiere gerne. Ich genieße mein Rentnerdasein in vollen Zügen.»
Trotz der innigen Verbundenheit mit Baden-Württemberg hat sie ihre Zeit in Berlin, wohin es sie nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug, nicht vergessen. Zum Abschied gibt sie kokett noch ein Lebensmotto preis: «Eener alleene ist nicht scheene, aber eener und eene und dann alleene, det ist scheene.» Det find ick ooch!
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